Presseerklärung

Viel geschafft, noch nichts erreicht.

Am 12.11.16 führte der Pflegeelternverein Nordsachsen e.V. (PEV) seine ordentliche Mitgliederversammlung in Doberschütz durch.

Von Seiten des Vorstandes wurde Rechenschaft über die letzten 1,5 Jahre abgelegt und ein durchwachsenes Resümee gezogen. Eigene Veranstaltungen, auch in Zusammenarbeit mit dem Pflegekinderdienst des Landkreises Nordsachen (PKD), können durchweg als positiv betrachtet werden, die Mitgliederzahl steigt beständig und die verschiedenen Angebote (Beratung, Vernetzung, gegenseitige Hilfe) werden zunehmend nachgefragt. Die finanzielle Situation ist auch dank einer außerordentlichen Spende sehr gut.

„Wir als Verein sind zu einem Marathon gestartet, nicht zu einem Sprint“ mit diesen Worten eröffnete der Sprecher Joerg Krause das Resümee im Hinblick auf die Zusammenarbeit und das Verbesserungspotential mit den Verwaltungsebenen des Jugendamtes Nordsachsen. Auch wenn gehofft wurde, dass sich nach der ersten großen Gesprächsrunde mit dem Jugendamt vieles bessert, so war doch insgeheim jedem klar, Verwaltungsstrukturen brauchen Zeit für einen Wandel. „Ein kurzeitiges Hoch wurde dann schnell wieder durch ein weiter wie bisher abgelöst….“. Dieses hat viele Ursachen, die im Einzelnen besprochen und diskutiert wurden, gleichwohl war und ist es einhellige Meinung, gemeinsam mit der Verwaltung und der neuen Beigeordneten an der Lösung bestehender Probleme zu arbeiten. Auch mag von Seiten des Vereins nicht intensiv genug und regelmäßig nachgefragt worden sein, warum einzelne Absprachen nicht eingehalten wurden.

Insgesamt stellt sich für ganz Deutschland eine steigende Zahl von Inobhutnahmen dar, gepaart mit einer Problemhäufung bei den einzelnen Kindern, ein Trend der alle Beteiligten vor neue Herausforderungen stellt. Nur gemeinsam können hier bestehende Strategien weiterentwickelt und neue Strategien erprobt werden, um den gewaltigen Herausforderungen gerecht zu werden. Bei stetig steigenden Ausgaben für den Bereich der „Hilfen zur Erziehung“ sind Pflegeeltern eines der wenigen Steuerungsinstrumente, als Kostenbremse zu dienen und so kommunale Haushalte zu entlasten. Dass diese Entlastung jedoch nicht nur durch eine rigide Sparpolitik zu Lasten der Kinder und Pflegeeltern gehen kann, dafür ist der PEV angetreten und wird weiterhin darum kämpfen, adäquate finanzielle wie personelle Unterstützung für Pflegeeltern anzumahnen.

Gespräche auf gleicher Augenhöhe, ein Mittel welches jede Pflegemama und jeder Pflegepapa alltäglich mit seinem Pflegling praktiziert, dies wünscht man sich auch von den verschiedenen Vertretern des Jugendamtes. Die nächste große Gesprächsrunde mit dem Jugendamt wird zeigen, wohin die Reise geht.

Weitere Themen/Beschlüsse der MV waren:

- Eine Stellungnahme zum Neuentwurf des SGB 8 an den Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern Sachsen e.V.

- Die Aufstellung des Finanzhaushaltes für 2017

- Die Schaffung eines Beihilfefonds für juristische Sachfragen, um Pflegeeltern zu ermöglichen, ihr Recht zu erstreiten

- Die Vorstellung eines Mentoringsystems für neue Pflegeeltern

- Die Errichtung der Regionalgruppe Delitzsch

- Die Arbeit am Weiterbildungsplan 2017

- Errichtung der Arbeitsgruppe „Familienentlastende Angebote für Pflegeeltern“

Für 2017 ist die virtuelle Eröffnung der Präsenzbibliothek beschlossen. Dank einiger Spender werden ab Januar dem Interessierten eine Auswahl hochwertiger Fachliteratur zur Verfügung stehen und einige Zeitungsabonnements vorrätig sein.

Für März 2017 ist dann auch die Eröffnung der Tauschbörse für die Pflegeeltern geplant.

Der Pflegekindertag wird am 12.08.2017 stattfinden (erster Sonnabend nach dem Schulanfang) und wird als fester Termin für die nächsten Jahre avisiert.

„Wir haben uns als Verein wieder viel vorgenommen, viele unserer Mitglieder sind bereit, ihre nicht immer reichlich vorhanden Freizeit für das Pflegekinderwesen einzusetzen. Wir sehen die Bereitschaft auf politischer- wie Verwaltungsebene, Prozesse zu verbessern, müssen aber gemeinsam sicher noch viel Kraft investieren, um fachlich wie auch qualitativ gut für die Zukunft gerüstet zu sein.“ so Vereinsvorsitzende Jana Krause. Insgesamt geht der PEV guten Mutes in das neue Jahr, freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit alle Verantwortlichen und glaubt fest daran, dass das Pflegekinderwesen in Nordsachsen auch die kommenden Herausforderungen meistern wird.

Bei allen Beteiligten ist der Wille zu einer gemeinsamen Richtung zu erkennen, wenn auch jeder aufgrund seiner konkreten Handlungssituation andere Vorstellungen des Weges hat. „ Bei all den kleinen Unstimmigkeiten die wir ab und an haben, dürfen wir, egal ob ehrenamtlich oder hauptberuflich, nie vergessen, für wen wir dies tun. Für Kinder und Jugendliche, die aus den verschiedensten Gründen nicht die Möglichkeit hatten, optimal ins Leben zu starten. Kinder, jedes einzelne Kind, sind das Fundament für unser aller Zukunft und selbst der kleinste Baum, muss, bevor er sich zum Himmel aufmacht, Wurzeln schlagen können und eine sichere Versorgungsbasis haben“ so Karsten Rosengrün vom Verein.

Die Versammlung schloss mit dem Hinweis, dass am 02.12.2016 die Weihnachtsfeier für Pflegeeltern vom Pflegekinderdienst des LK Nordsachsen organisiert wird und dort noch einmal ausreichend Raum sein wird, das Jahr Revue passieren zu lassen und auch den Mitarbeitern des Jugendamtes zu danken für ihre nicht immer einfache Arbeit.

Heidi Fischer, als Finanzchefin des Vereins, dankte noch einmal ausdrücklich allen Spendern und Unterstützern des Vereines, insbesondere der Hörmann KG aus Brandis sowie der der Vodafone Deutschland GmbH für die außerordentlichen Spenden, die den PEV bei der Umsetzung der selbstgesteckten Ziele erheblich unterstützen. „…gerade Pflegekinder und das Pflegekinderwesen spielen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle und so ist es um so höher anzusehen, wenn Unternehmen nicht primär auf die Werbewirksamkeit ihrer Spende schauen, sondern Projekte unterstützen, die ein Schattendasein führen, jedoch nicht minder wichtig sind.“

12.11.2016

Pflegeelternverein Nordsachen e.V.